Produktfotografie

Tutorial zur Produktfotografie bei Capture Studio - inkl. Bildbearbeitung

Produktfotos selber machen: Was Sie brauchen und wie Sie vorgehen

Kurz zusammengefasst

  • Ausrüstung: Kamera oder aktuelles Smartphone, Stativ, Tisch, weißer Papierhintergrund, zwei Lampen oder ein helles Fenster – mehr braucht es für den Anfang nicht.
  • Licht: weich und gleichmäßig; Streulicht und harte Schatten vermeiden, Lampen seitlich in gleichem Winkel.
  • Ansichten: Vorderseite, Rückseite, Seiten, Details – so, wie ein Kunde das Produkt im Laden drehen würde.
  • Kamera: Stativ, geschlossene Blende (f/8–f/11), niedriger ISO-Wert, Selbst- oder Fernauslöser.
  • Nachbearbeitung: Weißabgleich, Zuschnitt, Freistellen – oder abgeben, wenn es viele Bilder werden.

Professionelle Produktfotografie ist unerlässlich, wenn es darum geht, Produkte online zu verkaufen. Ansprechende Fotos sagen mehr als 1000 Worte, sie machen ein Produkt begreifbar und erlebbar. In vielen Fällen wird die Kaufentscheidung aufgrund eines aussagekräftigen Fotos getroffen. Durch gute Fotos wird eine Produktbeschreibung erst lebendig, sie wird emotional und überzeugt schließlich auch Ihre Kunden.

Es lohnt sich also, in die Produktfotografie zu investieren. Das gilt für Unternehmen ebenso, wie für private Verkäufer. Sie haben vielleicht nicht die Ausstattung eines professionellen Fotografen, aber auch Sie können ansprechende Produktfotos zuhause selber machen. Mit unseren Tipps gelingen Ihnen überzeugende Fotos auch ohne teure Ausrüstung.

Was leistet gute Produktfotografie?

Gute Produktfotografie kann das haptische Erleben ersetzen. Während wir Produkte beim Kauf in einem Geschäft in die Hand nehmen und ausprobieren können, besteht diese Möglichkeit im Internet natürlich nicht. Die Fotos können dieses Erlebnis aber im besten Fall ersetzen. Sie geben dem Käufer einen direkten Eindruck von dem angebotenen Produkt.

Welche Ansichten braucht ein Produktfoto?

Ein gutes Produktfoto bildet das zu verkaufende Produkt möglichst genau und intuitiv ab. Es bildet das Produkt von allen Seiten ab, so als ob es der Betrachter selbst in die Hand nehmen würde. Deswegen sollten Sie bei der Auswahl der Motive darauf achten, dass Objekt möglichst von allen Seiten abzubilden. Wähle auch verschiedene Perspektiven, um einen anderen Blick auf das Objekt zu erhalten.

Wenn Sie gebrauchte Artikel im Internet verkaufen, kommt es darauf an, den Artikel möglichst objektiv abzubilden. Schaffen Sie Vertrauen, indem Sie dem potentiellen Kunden einen realistischen Eindruck von dem Artikel geben. Versuchen Sie nicht etwas zu vertuschen oder den Artikel besser aussehen zu lassen, als er ist. Andererseits sollten die Bilder den Artikel natürlich auch nicht schlechter aussehen lassen.

Denken Sie darüber nach, ob es Aspekte gibt, die Sie besonders hervorheben möchten, beispielsweise die Vorderseite oder bestimmte Details des Artikels.

Tipp: Überlegen Sie, wie Sie den Artikel selbst in einem Laden anschauen würden. Welche Ansichten würden Sie besonders interessieren? Was würden Sie sich genauer ansehen? Fotografiere den Artikel möglichst aus allen Perspektiven und falls es Sinn macht auch von innen (beispielsweise bei einer Tasche).

Machen Sie Großaufnahmen von wichtigen Details beispielsweise der Struktur eines Stoffes oder dem Display bei einem technischen Gerät.

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Die Proportionen darstellen

Wenn wir Objekte auf einem Foto betrachten, haben wir keine Vorstellung von deren Größe. Diese kann aber bei vielen Objekten entscheidend sein. Deswegen werden bei guter Produktfotografie stets die Proportionen dargestellt. Wenn die Proportionen nicht durch den Hintergrund dargestellt werden können, brauchen Sie ein Referenzobjekt. Bei kleinen Objekten kann dies beispielsweise eine Münze sein, bei größeren eine Person. Kleine Objekte können auch in der Hand einer Person fotografiert werden, um die Größenverhältnisse abzubilden.

Welche Ausrüstung brauche ich für Produktfotos zu Hause?

Je nachdem, wie hoch Ihr Anspruch an die Bilder ist, können Sie auch mit einer einfachen, kostengünstigen Ausstattung zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Empfehlenswert ist der Aufbau eines kleinen Studios für die Produktaufnahmen. Eine Wand in einem abgedunkelten Raum und ein Tisch reichen dafür aus. Der Vorteil ist, dass Sie dieses Mini Studio perfekt ausleuchten können und durch einen neutralen Hintergrund professionelle Ergebnisse erzielen.

Eine Mittelklasse Digitalkamera ist in der Regel ausreichend, für einfache Fotos beispielsweise für eBay reicht möglicherweise sogar eine gute Handykamera. Für Webseiten werden oft kleinere Bilder gebraucht, eine geringere Auflösung ist daher kein so großes Problem. Je größer die Bilder später werden sollen, desto wichtiger wird jedoch die Aufnahmequalität.

Unerlässlich ist auf jeden Fall ein Stativ, ein Stativ ist nicht teuer und verbessert die Qualität der Aufnahmen erheblich. Etwas einfacher gelingen die Fotos mit einem Fernauslöser, dieser funktioniert wie eine Fernbedienung für Ihre Kamera. Der Vorteil ist, dass Sie die Kamera beim Auslösen nicht berühren müssen und das Bild so nicht verwackeln kann.

Checkliste: Das brauchen Sie für ein Mini-Fotostudio

  • einen kleinen Tisch (Beistelltisch)
  • weißes Papier von der Rolle
  • mindestens zwei höhenverstellbare Lampen
  • ein Stativ
  • eine Kamera
  • optional Fernauslöser

Hintergrund und Mini-Fotostudio einrichten

Am besten platzieren Sie die zu fotografieren Objekte auf einem Tisch. Dieser bildet die Basis Ihres Mini Fotostudios. Ein kleiner Beistelltisch ist ideal für diesen Zweck. Am besten stellen Sie den Tisch direkt an die Wand, die gleichzeitig als Hintergrund dienen kann. Der Tisch sollte mittig an einer Wand stehen und nicht in einer Zimmerecke, damit noch genügend Platz für die Lampen rechts und links bleibt.

Etwas professioneller wirken die Aufnahmen, wenn Sie die Wand hinter dem Tisch mit weißem, dickem Papier auskleiden und auch den Tisch mit demselben Papier auslegen. Als Papier eignet sich beispielsweise einfaches, weißes Zeichenpapier von der Rolle. Ein weißer Hintergrund reflektiert das Licht und vereinfach die Ausleuchtung. Sie können aber natürlich auch farbige oder schwarze Hintergründe wählen.

Produktfotos richtig beleuchten: Fenster, Lampen, Softbox

Einfache, unkomplizierte Fotografien gelingen auch an einem Fenster bei genügend Tageslicht. Wenn es also draußen hell und freundlich ist, können Sie kleine Objekte auch auf der Fensterbank fotografieren. Sorge für einen neutralen Hintergrund, beispielsweise aus weißem Papier, für ein professionelleres Ergebnis. Das Tageslicht ist jedoch nicht vorhersehbar, an dunklen, regnerischen Tagen reicht es mitunter nicht aus. Außerdem fällt das Ergebnis je nach Tageszeit unterschiedlich aus. Zudem ist die Fensterbank nur für kleine Objekte geeignet. Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen die Verwendung von künstlichen Lichtquellen.

Wenn Sie einen Aufnahmetisch verwenden, sollten Sie mindestens zwei Lichtquellen aufstellen, um Ihr Objekt möglichst schattenfrei ausleuchten zu können. Die Lichtquellen positionieren Sie am besten seitlich rechts und links von dem Tisch. Mit höhenverstellbaren Lampen können Sie Ihr Objekt optimal ausleuchten.

Warum Sie Streulicht vermeiden sollten

Für ein professionelles Ergebnis sollten Sie Streulicht vermeiden. Für Ihr Mini Fotostudio eignet sich daher am besten ein Raum ohne natürliche Lichtquelle, beispielsweise im Keller. Alternativ können Sie auch das Fenster im Raum verdunkeln. Das Streulicht kann die Ergebnisse verfälschen und macht es schwieriger, das Objekt schattenfrei auszuleuchten.

Die Lampen ausrichten

Fotografen verwenden für die Produktfotografie oft eine Blitzanlage, diese leuchtet zwar das Objekt gleichmäßig aus, ist aber in der Anschaffung sehr teuer. Zudem fordert die Anwendung fundierte Kenntnisse und Erfahrungen. Der eingebaute Blitz der Kamera ist nicht zu empfehlen, da er zu Reflexionen führt und das Objekt nur frontal beleuchtet. Für einfache Produktfotografien sind sogenannte Dauerlichtlampen für Fotografen empfehlenswert. Für den Anfang reichen aber auch gewöhnliche, höhenverstellbare und schwenkbare Lampen mit einem Strahler aus. Wählen Sie entsprechend ein Leuchtmittel mit hoher Lichtstärke in der Farbe Kaltweiß. Probieren Sie verschiedene Leuchtmittel aus, weiße Tageslichtbirnen erzeugen ein klares, neutrales Licht, das die Farben des Objektes nicht verfälscht.

Um die Lampen auszurichten, positionieren Sie zunächst das Objekt auf dem Fototisch. Stellen Sie die Lampen rechts und links davon auf und zwar so, dass das Licht nicht nur von der Seite, sondern auch von vorne auf das Objekt trifft. Von oben betrachtet ergibt sich ein Winkel von etwa 45° zwischen Objekt und Kamera und zwischen Objekt und Lampe.

Jetzt können Sie die Lampen so ausrichten, dass das Objekt gleichmäßig und schattenfrei ausgeleuchtet ist. Mit der Zeit werden Sie Erfahrung darin haben und Ihnen vielleicht sogar Markierungen auf Ihrem Fototisch machen, um die Objekte ohne Aufwand richtig platzieren zu können.

Warum sollten die Aufnahmen schattenfrei sein?

Wenn Sie Produktfotos beispielsweise für einen Onlineshop brauchen, ist dieser Aspekt sehr wichtig. Zwar erzeugen Schatten in der Fotografie Stimmungen, doch diese sind in der Produktfotografie nicht erwünscht. Die Objekte werden im Shop meistens ohne Hintergrund platziert. Das Produkt kann so möglichst objektiv und detailgetreu abgebildet werden, ohne dass Schatten den Betrachter irritieren oder vom Wesentlichen ablenken. Für die spätere Bildbearbeitung ist eine schattenfreie Aufnahme ebenfalls von Vorteil.

Die richtige Kameraposition

Für jedes Foto ist die Kameraposition entscheidend. Richten Sie die Kamera so aus, dass das Objekt möglichst ganz und mittig zu sehen ist. Vermeiden Sie Perspektiven, die das Bild verzerren oder verfälschen.

Wenn Sie sich vorher überlegt haben, welche Ansichten des Objektes Sie fotografieren möchten, werden Sie die richtige Kameraposition intuitiv finden. Achten Sie darauf, bei jeder Perspektive einen Fokus zu setzen, der das Wesentliche zeigt. Wenn Sie beispielsweise die Vorderseite abbilden möchten, kann zwar ein kleiner Teil der Seite zu sehen sein, die Vorderseite sollte aber dominant bleiben und den größten Teil des Bildes ausmachen.

Richten Sie die Kamera so aus, dass das Produkt zu allen Seiten von Hintergrund umgeben ist. Den Hintergrund können Sie später bei der Bearbeitung noch schneiden, es ist jedoch nicht möglich, Hintergrund hinzuzufügen.

Bevor Sie den Auslöser betätigen, achten Sie noch einmal darauf, ob Ihr Objekt auch wirklich gut ausgeleuchtet ist. Beachten Sie auch mögliche Reflexionen der Lampen auf dem Objekt, diese sollten vermieden werden.

Kameraeinstellungen für scharfe Produktfotos

  • Blende f/8 bis f/11: genug Schärfentiefe, damit Vorder- und Rückseite scharf sind; bei sehr kleinen Objekten hilft Focus Stacking.
  • ISO 100–200: so niedrig wie möglich, das Stativ gleicht die längere Belichtungszeit aus.
  • Brennweite 50–100 mm (Kleinbild): keine Verzerrung, natürliche Proportionen – siehe Objektiv. Beim Smartphone: nicht digital zoomen, sondern näher herangehen oder das Teleobjektiv nutzen.
  • Weißabgleich manuell auf die Lampen einstellen, damit Weiß weiß bleibt; RAW-Format, wenn die Kamera es kann.
  • Fern- oder Selbstauslöser: jede Berührung verwackelt.

Nachbearbeitung: Weißabgleich, Zuschnitt, Freistellen

Auch gut fotografierte Bilder brauchen drei Schritte am Rechner: Weißabgleich und Helligkeit angleichen, so dass der Hintergrund wirklich weiß und die Produktfarbe korrekt ist; einheitlich zuschneiden, so dass alle Produkte gleich groß im Bild stehen; und – für Shop und Marktplatz – das Produkt freistellen. Speichern Sie ein verlustfreies Original und exportieren Sie fürs Web als JPG in sRGB; welches Format wofür passt, erklärt der Beitrag Bildformate im Vergleich. Wie das Freistellen in Photoshop funktioniert, zeigt Hintergrund entfernen mit Photoshop.

Wann sich der Profi lohnt

Für ein paar Artikel, für Kleinanzeigen und für den Start ist das Heimstudio völlig ausreichend. Die Grenze kommt mit der Menge und den Anforderungen: Wenn hundert Artikel identisch aussehen sollen, wenn Amazon ein Hauptbild auf reinem Weiß mit 85 Prozent Bildfüllung verlangt, wenn Schmuck, Glas oder Chrom spiegeln, wenn Kleidung am Hollow Man oder am Model gezeigt werden soll – dann kostet das Selbermachen mehr Zeit, als das Studio kostet. Wie das per Einsendung funktioniert, beschreibt Produktfotografie per Versand; die Anforderungen der Marktplätze fasst Amazon-Produktbilder: Richtlinien & SEO 2026 zusammen.

Fazit: Es ist durchaus möglich, zuhause ohne professionelles Equipment Produktfotos für den Online-Verkauf selbst zu machen. Mit Stativ, weißem Hintergrund, weichem Licht und einem festen Satz Ansichten gelingen Bilder, die das Produkt erlebbar machen – und wenn die Serie wächst, wissen Sie jetzt, worauf es im Studio ankommt.